
Nürnberg, 18. bis 25. Juli 2025
Nürnberg, da will ich immer schon einmal hin – und die Stadt liegt direkt auf meiner Heimfahrt vom Spreewald – also entschließe ich mich ziemlich spontan eine Woche in Nürnberg zu verbringen – was für ein guter Einfall.
Nürnberg liegt in Mittelfranken und ist mit gut 500.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Bayerns und die größte in Franken. Franken, eine Region in Bayern, teilt sich in Ober-, Mittel- und Unterfranken. Franken hat eine eigene Identität, die sich historisch von Altbayern unterscheidet – das merkt man ein bisschen auch an der Sprache.
Mein Wissen schöpfe ich aus Informationsfoldern der Stadt Nürnberg und folgenden Internetseiten: https://www.nuernberginfos.de/ Bayerische Schlösserverwaltung | Kaiserburg Nürnberg | Aktuelles / ST. SEBALD NÜRNBERG — ST. SEBALD NÜRNBERG / Sehenswürdigkeiten – Tourismus Nürnberg / Quartiere – Quartiere Nürnberg / Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände / Nürnberg Insider Tipps: 10 Geheimtipps abseits der üblichen Touristenpfade – Reiseblog Urban Meanderer / Nürnberg – Geschichte & Geschichten über die alte Reichsstadt [Originalaufnahmen | Dokumentation] / Mythen & Legenden in Nürnberg / Memorium Nürnberger Prozesse / Weißgerbergasse 10 / tiergarten.nuernberg.de: Startseite / Reportage: Von wirtschaftlichem Boom und kultureller Vielfalt – Die Nürnberger Südstadt | Franken Fernsehen / https://bayern-online.de/nuernberg/erleben/kirchen/friedenskirche/ / https://bayern-online.de/nuernberg/erleben/sehenswuerdigkeiten/muehlen/hadermuehle/ / https://www.frankenfernsehen.tv/mediathek/video/einst-symbol-des-wirtschaftswunders-die-historie-des-plaerrer-hochhauses-in-nuernberg/ / Mythen & Legenden in Nürnberg / https://astoria-apartments.de/apartments/
18.Juli 2025 – Ich habe wieder ein Appartement in der Nähe vom Bahnhof gebucht (Astoria Apartments Weidenkellerstrasse 4) und es ist fantastisch!
Auch mein erster Spaziergang fasziniert mich – nein, schon ein bisschen überwältigt, was für eine schöne Altstadt mich hier erwartet, ummantelt von einer stattlichen Burgmauern und umgeben vom Burggraben. Der Stadtfluss – die Pegnitz – trägt ihren Teil zu diesen vielen – malerischen – Aus- und Einblicken bei.
19.Juli 2025 – Altstadt und Kaiserburg: Bereits gestern hat mich die durchgehende Befestigungsmauer beeindruckt. Die Nürnberger Stadtmauer ist eine der am besten erhaltenen historischen Befestigungsanlagen Europas. Die imposante Anlage umschließt mit einer Länge von etwa 3,5 Kilometern den mittelalterlichen Stadtkern. Die vier markanten Haupttore im Eckbereich, die sogenannten Rundtürme, sind jeweils etwa 40 Meter hoch und zählen zu den Wahrzeichen der Stadt.
„Die Nürnberger Stadtbefestigung (Stadtmauer) wie wir sie heute kennen entstand aus dem Zusammenschluss der ehemals getrennt befestigten Stadtteile St. Lorenz und St. Sebald und den darauffolgenden Erweiterungsbauten. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zählte die altehrwürdige Stadtmauer noch 88 Türme, von einst 123. Der Bombenhagel zerstörte 33 von ihnen total, 29 wurden schwer, 28 leicht beschädigt.“
Von meinem Appartement aus gehe ich bei der Oper vorbei und gegenüber durch das Frauentor zum Germanischen Nationalmuseum und zur „Straße der Menschenrechte“, die Färberstraße weiter entlang, zwischen ein paar Quergässchen. der bekannten Einkaufsstraße Karolinenstraße zum Ludwigsplatz – beim Spittlertor vorbei, weiter im Splittertorgraben zur Hallerwiese (zu der komme ich ein paar Tage später noch einmal und dann schau ich mir das Viertel genauer an) und zurück zum Westtor- und Neutorgraben, über die Vestnertorbrücke bis zur Kaiserburg mit Burggarten und Bürgermeistergarten – Aussichten auf das Albrecht-Dürrer-Haus gegenüber vom „Beim Tiergärtnertor“ – zurück geht es über den „Am Laufer Schlagturm“ zum Hans-Sachs-Platz – Oper – Bahnhof – Willy-Brandt-Platz.
Das Germanische Nationalmuseum ist das größte kulturgeschichtliche Museum des deutschsprachigen Raums mit Werken von der Frühzeit bis zur unmittelbaren Gegenwart.
Zum Innehalten und Nachdenken regt die Freiluftausstellung „Straße der Menschrechte“ vor diesem Museum an. Sie wurde von dem israelischen Künstler Dani Karavan geschaffen und besteht aus einem monumentalen Torbogen, einer Säuleneiche, zwei Bodenplatten und 27 weißen Rundpfeilern. Die Säulen sind jeweils mit einem Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beschriftet – jeweils in Deutsch und in einer anderen Sprache.
Hefnersplatz / Ecke Färberstraße = Peter-Henlein -Brunnen (auch Peter-Henlein-Denkmal genannt). Peter Henlein (geboren wahrscheinlich zwischen 1479 und 1785, gestorben 1542 jeweils in Nürnberg) wird als der (mutmaßliche) Erfinder der Taschenuhr bezeichnet.
Am Ludwigsplatz treffen gewachsene Geschichte auf individuellen Charme. Der Platz liegt eingebettet zwischen dem Weißen Turm (1250) – der nicht mehr weiß ist 😊, dem Ehekarusell (= ein Brunnen), der Elisabethkirche und der Jakobskirche. Ergänzt wird das Ensemble durch viele kleine Boutiquen und Gastronomiebetriebe.
Das Spittlertor ist ein altes Tor im Südwesten der Nürnberger Stadtmauer. Der Name bezieht sich auf das damalige nahe gelegene Spital St. Elisabeth des Deutschen Ordens. Das Spittlertor umfasst neben dem Spittlertorturm den Spittlertorzwinger.
Neutor mit Neutorturm = einer der vier markanten, runden Haupttürme der Nürnberger Stadtbefestigung – das Neutor wurde bereits 1377 erwähnt und war (ist) eines der vier Haupttore der Stadtbefestigung.
Über die Vestnertorbrücke betrete ich die Kaiserburg: Die imposante Silhouette der Kaiserburg thront über der Altstadt und prägt das Stadtbild Nürnbergs bis heute. Über Jahrhunderte hinweg war sie nicht nur ein Symbol kaiserlicher Macht, sondern auch ein Ort politischer Bedeutung: Hier wurden Reichstage abgehalten, Gesetze erlassen und Entscheidungen von weitreichender Wirkung getroffen. Das Zusammenspiel von romanischen Fundamenten und gotischen Erweiterungen verleiht der Burg ihren einzigartigen architektonischen Charakter. Besonders faszinierend sind der tiefe Brunnen sowie der Sinwellturm, der einen beeindruckenden Blick über die Dächer der Stadt bietet. Innerhalb der Burgmauern lassen sich Spuren unterschiedlichster Epochen entdecken, die von der Blütezeit Nürnbergs als freie Reichsstadt bis zu den Herausforderungen späterer Jahrhunderte erzählen.
Der Burggarten gehört zum Areal der Kaiserburg und geht neben den dort oben gebotenen Aussichten über die Stadt, den Fachwerkhäusern und weiteren historischen Gebäuden etwas unter. Das wird den schön angelegten Gärten absolut nicht gerecht.
Ich gehe den südlichen Burggarten (das Karree) an der Burgmauer entlang und erreiche den Bürgermeistergarten. Dessen Bezeichnung lässt sich auf die Tatsache zurückführen, dass dieser Bereich des Burgareals in früheren Zeiten an den Nürnberger Bürgermeister vermietet war.
„Der Bürgermeistergarten mit seinen schönen Beeten, Bänken und uralten Figuren bietet eine noch etwas „verwunschenere“ Atmosphäre als der Burggarten.“ Ich bin allerdings den Weg zwei Mal gegangen, weil mit beim ersten Mal nicht bewusst war, dass ich schon durch den Bürgermeistergarten gehe.
Besonders empfehlen kann ich den Blick von der überdachten und auf der Burgmauer befindlichen Galerie über den Tiergärtnerplatz hinauf zur Kaiserburg.
Weiter geht es zum Platz „Am Laufer Schlagturm“ – im zweiten Weltkrieg boten die Türme den Nürnbergern – neben den Felsenkellern unter der Altstadt – Schutz vor Bombenangriffen.
Das Hans-Sachs-Denkmal wurde am 24. Juni 1874 auf dem Spitalplatz (heute Hans-Sachs-Platz) in Nürnberg enthüllt. Das Denkmal erinnert an den Nürnberger Hans Sachs, der als einer der bedeutendsten Meistersinger gilt. Die Meistersinger waren bürgerliche Dichter und Sänger im 15. und 16. Jahrhundert, die sich zunftartig zusammengeschlossen haben.
Hans Sachs (1494–1576) war ein berühmter Nürnberger Schuhmacher, Spruchdichter, Dramatiker und der produktivste Meistersinger seiner Zeit. Er verfasste über 6.000 Werke, darunter Fastnachtsspiele, Komödien und Lieder. Als glühender Anhänger Martin Luthers prägte er die Reformation im deutschsprachigen Raum.
Das Staatstheater Nürnberg ist eines der größten Mehrspartentheater Deutschlands, das Oper, Schauspiel, Ballett und Konzerte unter einem Dach vereint. Es ist eine der vier bayerischen Staatsbühnen und bietet rund 650 Vorstellungen pro Saison für über 230.000 Besuche. Das prägnanteste Gebäude ist das historische Opernhaus am Richard-Wagner-Platz, das 1905 eröffnet wurde.
„Der Nürnberger Hauptbahnhof wurde 1844 als kleiner Bahnhof eröffnet und 1906 durch den heutigen, prachtvollen Monumentalbau im neubarocken Stil ersetzt. Nach starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde er originalgetreu wiederaufgebaut. Heute ist er einer der wichtigsten und meistfrequentierten Verkehrsknotenpunkte Deutschlands.“
Willy-Brandt-Platz – ich begegne hier wieder „Willy Brand“ (das erste Mal „traf“ ich ihn in Erfurt, Mai 2024): „Der Willy-Brandt-Platz in Nürnberg ist ein zentraler, unweit des Hauptbahnhofs gelegener Verkehrsknotenpunkt. Er grenzt direkt an den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und ist vor allem für die dort sitzende Bronzestatue des ehemaligen Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt bekannt.“
20.Juli 2025 – drei Gärten – drei Juwele, die St. Sebalduskirche und Pfarrhaus: Ich spaziere wieder an der Stadtmauer entlang – diesmal jedoch ein Stück im Graben der Stadtmauer bis zum Hallertor. Dann erkunde ich die „Hallerwiese“ (= auch ein Straßennamen) – hier ist es richtig schön, fast schon ländlich -bereits ein kleiner Vorgeschmack auf die Gärten, die ich mir heute ansehe.
Das Barockgärtchen – versteckt zwischen den alten Gemäuern und geschäftigen Gassen der Altstadt liegt das Barockgärtchen aus dem 18. Jahrhundert – ein liebevoll restauriertes Kleinod, das dem Besucher eine stille Auszeit schenkt. An kunstvoll angelegten Beeten entlang führen Wege, die von akkurat geschnittenen Buchsbäumen gesäumt werden. Die sorgsam geplante Symmetrie und der Blick auf historische Fassaden lassen ein Gefühl von zeitloser Eleganz entstehen.
Genaugenommen gehört der Barockgarten zu den Hesperidengärten, die etwa 400 Meter weiter westlich liegen (hinter den Häusern der Johannisstraße 43 bis 47, um genau zu sein).
Der Hesperidengarten – eigentlich sind es drei – ein zweites barockes Paradies – ebenfalls versteckt im historischen Stadtteil St. Johannis, unweit der Altstadtmauern, lädt der Garten zu einer Reise in die Welt des Barocks ein. Hier verschmelzen kunstvoll angelegte Beete, filigrane Hecken und exotische Zitrusbäume zu einer einzigartigen Komposition.
Der Name „Hesperidengarten“ leitet sich von den Hesperiden ab, den Nymphen der griechischen Mythologie, die im Garten der Götter goldene Äpfel (Zitronen) hüteten. In Anlehnung daran wurden im 17. und 18. Jahrhundert in Nürnberg zahlreiche barocke Ziergärten angelegt, in denen Zitruspflanzen als Zeichen von Wohlstand und Geschmack kultiviert wurden.
Der Hesperidengarten wurde in den 1980er Jahren nach historischem Vorbild restauriert.
Der Johannisfriedhof in Nürnberg zählt mit seiner außergewöhnlichen Atmosphäre, der Vielzahl künstlerisch gestalteter Grabmäler und seiner engen Verbindung zur Stadtgeschichte zu den bedeutendsten historischen Friedhöfen Europas.
Der Rundgang über den Johannisfriedhof ist wie eine Reise durch die Nürnberger Stadtgeschichte. Unzählige Grabmäler zeugen vom Leben bedeutender Persönlichkeiten.
Besonders hervorzuheben sind die reich verzierten Epitaphe, die häufig mit biblischen Motiven, Symbolen der Vergänglichkeit und Hoffnungsbildern des christlichen Glaubens geschmückt sind.
Berühmtestes Grab auf dem Johannisfriedhof ist das von Albrecht Dürer, dem wohl bekanntesten Sohn der Stadt. Die schlichte Grabplatte zieht jedes Jahr Interessierte aus aller Welt an, die dem großen Maler und Graphiker die Ehre erweisen wollen. Auch andere namhafte Nürnberger, wie der Komponist Johann Pachelbel oder der Bildhauer Adam Kraft, fanden hier ihre letzte Ruhestätte.
Ungezählte Rosensträucher und Rosenbäumchen erfreuen das Auge und spenden Schatten auf den Gräbern.
Wie viele alte Friedhöfe ist auch der Johannisfriedhof von Legenden umwoben. Besonders von Albrecht Dürer wird erzählt, dass sein Geist noch heute gelegentlich zwischen den Sandsteinplatten umherwandere. Es heißt, die letzten Sonnenstrahlen eines Sommertages zauberten manchmal geheimnisvolle Lichtspiele auf sein Grab – als wolle der große Meister noch immer seine Kunst mit der Welt teilen.
Der St. Johannisfriedhof entstand ab 1518 aus dem Pestfriedhof sowie dem Friedhof des Leprosenhauses St. Johannis. Durch einen hölzernen Gang konnten die Leprakranken zum Gottesdienst in die St. Johanniskirche gelangen, ohne mit Gesunden in Kontakt zu kommen. Nach der Weihe von Chor und Langhaus in den Jahren 1377 und 1395, folgte die Sakristei der St. Johanniskirche als letzter großer Bauabschnitt im Jahr 1446. Sehenswert sind im Inneren der Hauptaltar, das Sakramentshaus aus Sandstein sowie Grabdenkmäler und Epitaphien.
Friedenskirche, Palmplatz 11 – sie wurde in den Jahren 1925 bis 1928 nach den Plänen von Prof. German Bestelmeyer erbaut. Es entstand ein mächtiger Backsteinbau mit Ostturm. 1944 brannte die Kirche völlig aus und wurde von 1950 bis 1952 wieder aufgebaut und neu eingeweiht.
Ich spaziere weiter und komme wieder in der Altstadt an – auf der Suche nach einem netten Café „lächelt“ mich die Tafel vom Café Maulbeere, das Café im Sebalder Pfarrhof, an und ich genieße hier Kaffee und Kuchen. Dabei fallen mir die Hinweise auf und ich beginne zu lesen und zu schauen.
Der Sebalder Pfarrhof: Im Zuge der denkmalgerechten Instandsetzungsmaßnahme des Sebalder Pfarrhofes kam es 2019 und 2020 zu sensationellen Wiederentdeckungen historischer Zeugnisse jüdischen Lebens in Nürnberg: In der Eingangshalle des Pfarrhofes wurde ein jüdischer Grabstein von 1334 und eine Holzbrettertür von zirka 1500 mit hebräischem Haussegen wiederentdeckt.
Die Kirchengemeinde hat die Wiederentdeckungen im Sebalder Pfarrhof zusammen mit der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg zum Anlass genommen, ihren Umgang mit den judendiffamierenden Darstellungen insgesamt neu zu durchdenken. Ein Ergebnis dessen ist die Ausstellung „Stein & Tür“ im Sebalder Pfarrhof.
Die St. Sebalduskirche und der Heilige Sebaldus: „Sebaldus ist kein Märtyrer, Bischof oder Papst gewesen. Gesichert gilt nur, dass er bereits im Jahr 1072 hier als heilig verehrt wurde und viele Menschen zu seinem Grab pilgerten.
1425 wird seine Heiligkeit von Papst Martin V. bestätigt. Dargestellt wird er gewöhnlich als Pilger mit Stab, Hut und der Jakobsmuschel als Pilgerzeichen, der seine Kirche unter dem Arm trägt. Im Jahr 1070 taucht sein Name zum ersten Mal in den Quellen auf. Viele Menschen seien zu ihm gekommen, heißt es dort, er habe verschiedene Wunder vollbracht und Kranke geheilt. Zahlreiche Legenden ranken sich um sein Leben, von dem kaum etwas überliefert ist.
So heißt es etwa, er sei auf seinem Mantel bei Regensburg über die Donau spaziert. Ein anderes Mal wird berichtet, er habe bei der Familie eines geizigen Köhlers aus Einzapfen ein Feuer entfacht und so die Kaltherzigkeit des Familienoberhaupts zum Schmelzen gebracht. Selbst seine Finger konnten im finsteren Wald auf Bedarf leuchten, damit ein Bauer seine beiden Kühe wiederfinden konnte.“
Ich finde, sie haben in dieser Kirche moderne Informationselemente mit historischen Elementen sehr, sehr gut verbunden. Der Film über die Baugeschichte ist empfehlenswert und gar nicht langweilig zum Ansehen.
…… ein paar Eindrücke von meinem weiteren Spaziergang: Trödelmarkt, Karlsstraße, Kaiserstraße, Karolinenstraße und wieder zurück beim Verkehrsmuseum und meinem Appartement.
21.Juli 2025 – Regentag und Spaziergang durch einen Teil der Südstadt: Es regnet nicht mehr und ich erkunde meine direkte Umgebung.
Ich beginne meinen Nachmittagsspaziergang beim Verkehrsmuseum (eine Seite des Gebäudes sehe ich von meinem Apartment aus. Als ich um das Gebäude herumgehe, wird mir bewusst, wie groß und stattlich dieses Gebäude ist. Das Verkehrsmuseum Nürnberg ist eines der ältesten technikgeschichtlichen Museen Europas und besteht aus dem Firmenmuseum der Deutschen Bahn sowie dem Museum für Kommunikation. Ich „gestehe“ – ich habe auch dieses Museum nicht besucht ☹.
….. das Tor zur Südstadt …..
„Die ursprüngliche Christuskirche, von der sich als einziger Bauteil der 73,50 m hohe Westturm erhalten hat, stellte eine in Backstein mit Werksteingliederungen errichtete kreuzförmige Basilika dar. Der Kirchenbau war ein charakteristischer Vertreter des sogenannten Nürnberger Stils im Sinne des 1884 vom Architekten der Kirche, Hans Kieser, begründeten „Vereins für kirchliche Kunst in der Evangelischen Kirche Bayerns“, indem durch die stark aufgegliederte Struktur mit Giebeln ein betont romantisches Erscheinungsbild erzeugt wurde. Die räumliche Aufteilung folgte den Prinzipien des Eisenacher Regulativs.
Der Kirchenneubau von 1956 hingegen suchte, entsprechend dem 1951 im benachbarten Rummelsberg verabschiedeten Rummelsberger Programm, durch die einfache Kastenraumform ein möglichst sachliches Erscheinungsbild zu erzeugen.“
Die Nürnberger Südstadt entstand im 19. Jahrhundert aus ländlichen Vororten wie Steinbühl, Galgenhof und Tafelhof. Durch den Bau des Hauptbahnhofs und die Ansiedlung von Großindustrie (wie Siemens-Schuckert) wandelte sie sich rasant zum explosionsartig wachsenden Arbeiterviertel. Nach schweren Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg prägten Wiederaufbau und Zuwanderung den multikulturellen Schmelztiegel von heute.
Zurück zum Bahnhof ….. und ein bisschen „Alte Stadt“ genießen…… (Frauentor).
Ich spaziere weiter zur Pegnitz und über den Park vorbei an der Hadermühle zum Gewerbemuseum, weiter über das Marientor wieder zurück zu meinem Appartement.
„Die Hadermühle, eine zweigeteilte Mühlenanlage, lag vor dem Wöhrder Tor nördlich der Pegnitz (erste Anlage) und südlich des linken Pegnitzarms (zweite Anlage). Ursprünglich wurde sie Gleißmühle genannt. Sie wurde als Schleifwerk genutzt und diente wahrscheinlich auch der Glasherstellung. Im Jahre 1374 wurde sie zusammen mit drei weiteren Mühlen als Leibgeding (burggräfliches Lehen) an Leupold Schürstab verkauft.“
Das historische Hauptgebäude der alten Hadermühle gibt nicht mehr. Erhalten geblieben ist aus der alten Bebauung an der Straße An der Hadermühle nur ein unter Denkmalschutz stehendes neubarockes Wohn- und Stirnhaus aus der Zeit um 1890.
Gewerbemuseum am Gewerbemuseumsplatz ………… gegenüber befindet sich der Aufgang zum Marientorzwinger, man kann leider nicht weitergehen, weil hier restauriert und gebaut wird.
Das Marientor wurde im Jahr 1859 als neugotisches Tor erbaut, um die neue Marienvorstadt anzubinden. Wegen des Verkehrs wurde es schon 1891 wieder abgerissen, seither ist es nur eine Öffnung in der Mauer. Auf dem dazugehörigen Zwingerbereich gab es früher einen beliebten Biergarten und eine Gaststätte. Nach Schäden an den alten Sandsteinen musste der Bereich im Jahr 2016 gesperrt werden und war lange eine Baustelle.
Der Klarissenplatz befindet sich vor dem Neuen Museum. Direkt daneben lädt der Handwerkerhof zum Flanieren ein oder das Neue Museum zum Entdecken.
22.Juli 2025 – Regenvormittag, Reichsparteigelände, Straßenbahnfahren und Gostenhof (GoHo) – irgendwie passt das Wetter zum Thema meines Besuches auf dem Reichsparteigelände. Mit der Straßenbahn Linie 8 fahre ich direkt vom Hauptbahnhof zum Ausstellungsgelände.
Für die Wahl als Veranstaltungsort der Reichsparteitage von 1927 und 1929 hatten zunächst politische und praktische Gründe gesprochen: Die Nationalsozialisten verfügten in Nürnberg und Mittelfranken schon früh über eine starke Basis, zudem wurden sie durch den staatlichen Polizeidirektor unterstützt.
Nürnbergs Vergangenheit als Reichsstadt und als Stadt mittelalterlicher Reichstage ließ sich leicht im Sinn der nationalsozialistischen Reichsidee umdeuten.
1933 bis 1939 – die Reichsparteitage – Gemeinschaft und Ausgrenzung:
Ab 1933 fanden die Reichsparteitage jährlich in Nürnberg statt, wo nach Plänen von Albert Speer ein riesiger Kultort entstand. Mit dem nationalen Großereignis verfolgte das NS-Regime zentrale gesellschaftliche Ziele. Die nationalsozialistische Ausgrenzungsgesellschaft wurde als “Volksgemeinschaft” inszeniert und sollte die breite Zustimmung der Deutschen zum NS-Regime öffentlich sichtbar machen. Neue Medien wie der Rundfunk übertrugen das Gemeinschaftserlebnis der Reichsparteitage ins gesamte Reich.
Das Dokumentationszentrum wird gerade umgebaut. Es gibt derzeit eine Interimsausstellung in der großen Ausstellungshalle.
Meine heutige Pause verbringe ich in einem netten Café über der Lebküchnerei im Handwerkerhof in der Altstadt.
Anschließend spaziere ich nach Gostenhof, liebevoll „GoHo“ genannt. GoHo ist Nürnbergs angesagtestes Szeneviertel. Direkt westlich der Altstadt gelegen, zeichnet es sich durch einen kreativen Mix aus alternativer Kultur, kleinen inhabergeführten Geschäften, Ateliers und einer internationalen Gastro-Szene aus. Bekannt ist das Viertel für seine gut erhaltene Gründerzeitarchitektur und begrünte Hinterhöfe.
Eine Oase inmitten der Großstadt. Nur ein paar Schritte vom belebten Nürnberger Plärrer entfernt, wartet der historische Rochusfriedhof auf ruhesuchende und kunstinteressierte Besucher. Peter Vischer der Ältere sowie der Barockkomponist und Organist der Sebalduskirche, Johann Pachelbel, haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Eine kunsthistorische Schatzkammer aus Spätgotik und Renaissance ist die Rochuskapelle nach Plänen von Hans Behaim dem Älteren.
…. und anscheinend ein „Friedhof der Vergessenen“ …..
Der Plärrer ist ein großer, südwestlich vor der Stadtmauer gelegener Platz und einer der wichtigsten Verkehrsknoten in Nürnberg. Er befindet sich im Südosten des Bezirks Himpfelshof. Südlich schließt Gostenhof an, östlich Lorenz.
Das Wort Plärrer (ursprünglich Plerrer) leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab und kommt vom sogenannten „Plerre“, was so viel wie „Freier Platz“ bedeutet. Im Mittelalter konnten Händler, die keine Konzession für die Märkte innerhalb der Stadtmauern Nürnbergs hatten, auf diesem freien Platz ihre Waren anpreisen.
Einst Symbol des Wirtschaftswunders: Die Historie des Plärrer-Hochhauses in Nürnberg
Die „Stahlbeton-Skelettbauweise“ zeichnet das Plärrer-Hochhaus in Nürnberg aus. Zugegebenermaßen: Schön sieht es für die meisten wohl nicht aus. Es ist allerdings nicht umsonst denkmalgeschützt – und hinter der Fassade verstecken sich interessante Geschichten. Auch über die Historie Nürnbergs.
Zu entdecken: Eine Mischung aus Moderne und Denkmälern. Schon seit über 70 Jahren thront das Gebäude über der Stadt. 56 Meter hoch.
Bei einer umfangreichen Sanierung zwischen 2016 und 2019 wurde das Hochhaus nicht nur energetisch und brandschutztechnisch auf den aktuellen Stand gebracht.
23.Juli 2025 – Tiergarten und einiges mehr ………………..: „Der Tiergarten Nürnberg ist mit rund 65 Hektar einer der größten und schönsten Landschaftszoos Europas. Er liegt malerisch eingebettet in den Lorenzer Reichswald am Schmausenbuck im Osten der Stadt und beheimatet etwa 300 Tierarten in weitläufigen, naturnahen Gehegen.“
Mit den Straßenbahnlinien 5 und 11 kommt man direkt vom Hauptbahnhof zum Tiergarten.
Gleich beim Eingang ist es richtig laut – aber nicht, weil die Tier „brüllen“, sondern weil viele Schülerinnen und Schüler anscheinend einen Ausflug machen. …… wer ist lauter? Affen oder Kinder?
Einfach nur genießen – und wenn man ein Tier nicht „in Original“ sieht, gibt es sicher eine Statue davon 😊.
…… das habe ich noch nie erlebt: Es gab einen Unfall und die Straßenbahnen können nicht fahren – dafür gibt es Ersatztaxis, die die Fahrgäste in die Stadt zurückbringen.
Der Hauptmarkt Nürnberg ist der zentrale, rund 5.000 Quadratmeter große Platz in der Altstadt. Er wurde 1349 auf den Resten eines zerstörten jüdischen Viertels errichtet, im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und später schlicht wiederaufgebaut.
Die gotische Frauenkirche an der Ostseite des Hauptmarktes gehört zu den drei bedeutendsten Kirchen Nürnbergs. Weltberühmt sind ihr Balkon, auf dem alljährlich der Christkindlesmarkt eröffnet wird, sowie die Kunstuhr mit dem Männleinlaufen. Jeden Mittag um 12 Uhr huldigen die sieben zur Kaiserwahl berechtigten Kurfürsten dem römisch-deutschen Kaiser Karl IV., der die Frauenkirche im Jahr 1355 als kaiserliche Hofkapelle stiftete.
In der Frauenkirche darf man nicht fotografieren.
Schöner Brunnen: Eine Legende besagt, dass wer einmal am goldenen Ring des Schönen Brunnens dreht, drei Wünsche erfüllt bekommt, wer dreimal dreht, kann sich über viele Kinder freuen. Mit seiner sich nach oben verjüngenden Pyramidenform symbolisiert der Schöne Brunnen am Nürnberger Hauptmarkt das theozentrische Weltbild im Mittelalter.
In vier Figurenreihen sind die Philosophie sowie die sieben Freien Künste, die vier Evangelisten mit Vertretern der Geistlichkeit, die zur Kaiserwahl berechtigten sieben Kurfürsten gemeinsam mit neun Helden der Weltgeschichte und abschließend Moses mit sieben Propheten von unten nach oben angeordnet.
(Foto Brunnen Frigur: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sch%C3%B6ner_Brunnen_N%C3%BCrnberg_Hauptmarkt_16.jpg)
Die Lorenzkirche ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Nürnberg und zählt zu den drei bedeutendsten Kirchen. Der „Stern von St. Lorenz“, eine steinerne Rosette und das kaiserliche Wappen empfangen den Besucher an der Westfassade, im Inneren finden sich kostbare Zeugnisse Nürnberger Künstler und eine der größten Orgeln der Welt.
An der Stelle der heutigen Lorenzkirche befand sich eine romanische Kapelle, die dem “heiligen Lorenz zum Heiligen Grab” geweiht war. Teile der alten Bausubstanz finden sich noch heute in dieser beeindruckenden hochgotischen Basilika, mit deren Bau zwischen 1243 und 1315 begonnen wurde. Nürnberg war im Mittelalter immer mehr gewachsen und mit Spenden und Stiftungen der Bürger wurde eine repräsentative Bürgerkirche gebaut.
Habe ich eher zufällig entdeckt: Das Katharinenkloster Nürnberg war im Mittelalter ein berühmtes Dominikanerinnenkloster, bekannt für seine reiche Bibliothek, die Nutzung durch die Meistersinger und die heutige Katharinenruine als Kulturort. Die spannende Geschichte kann man hier nachlesen: https://bildungscampus.nuernberg.de/blogbeitraege/das-kloster-st-katharina-zu-nuernberg
😊 passend zum Kloster!
Das historische Baumeisterhaus in Nürnberg befindet sich in der südöstlichen Altstadt am Bauhof 9. Das markante Renaissance-Gebäude wurde in den Jahren 1614 bis 1615 von dem bekannten Steinmetz, Bildhauer und Architekten Jakob Wolff dem Jüngeren errichtet. Heute dient es als Sitz des Planungs- und Baureferats der Stadt Nürnberg.
Das Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in Nürnberg befindet sich am Magnus-Hirschfeld-Platz direkt am Sterntor / Frauentorgraben. Es besteht aus einer Gedenkstele, einer Gedenkkugel und einer Regenbogen-Parkbank.
Magnus Hirschfeld war Arzt, Mitbegründer der Sexualwissenschaft und Vorkämpfer für die Recht von Homosexuellen (1868 bis 1935).
1339 stiftete der Nürnberger Kaufmann Konrad Groß das Heilig-Geist-Spital. Das Krankenhaus und Altenheim war die größte soziale Einrichtung im mittelalterlichen Deutschland. Besondere Bedeutung hatte die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Spitalkirche: Sie diente fast 400 Jahre lang als Aufbewahrungsort für den kaiserlichen Kronschatz. Heute wird ein Teil noch immer als Altenheim und ein Teil als Restaurant genutzt.
24.Juli 2025 – Gostenhof (Ost), Justizpalast, Saal 600, Stadtrundfahrt: ……………auf dem Weg zum Justizpalast genieße ich die Eindrücke auf der Fürther Straße.
Der Justizpalast, erbaut zwischen 1909 und 1916, in der Fürther Straße: Ich gehe hinein, weil ich glaube, dass der Saal 600 in dem Hauptgebäude ist, sondern in einem Nebengebäude (siehe roten Kreis im Foto). Die beiden Gebäude sind jedoch durch einen Bauteil verbunden. Leider kann ich noch nicht die historischen Zellentrakte besichtigen – das Gefängnis ist jedoch bereits „außer Betrieb“.
Saal 600: „Vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 fand in Nürnberg der “Hauptkriegsverbrecherprozess” vor dem Internationalen Militärgerichtshof statt. Mit diesem Prozess erlangte der Schwurgerichtssaal des Nürnberger Justizpalastes weltweite Berühmtheit. Von 1946-49 fanden am gleichen Ort zwölf “Nachfolgeprozesse” vor ausschließlich amerikanischen Militärtribunalen statt. Ursprünglich war der Saal 1916 als ein Schwurgerichtssaal nach den damals gültigen Verfahrensvorschriften und dem Gerichtsverfassungsgesetz eröffnet worden.
Der Saal war zwar mit ca. 260 qm räumlich groß, genügte aber den umfangreichen Ansprüchen der Alliierten aber trotzdem noch nicht. Abgesehen von den großen Anklagedelegationen sowie den vielen Verteidigern der 21 Angeklagten ergaben sich noch durch weitere Anforderungen Herausforderungen an den Saal, die erst nach umfangreichen Umbauarbeiten gelöst werden konnten. Diese gewährleisteten zwei weitere wichtige Aspekte: die viersprachige Durchführung des Prozesses sowie die weilweite Berichterstattung über ihn in den Leitmedien Print, Rundfunk und Film.
Hierfür wurde der Saal nicht nur mittels eines Mauerdurchbruchs um eine Pressetribüne sowie einen Zuschauerbalkon erweitert, sondern auch mit umfangreicher Medien-, Licht- und Klimatechnik ausgestattet. Außerdem erhielt er ein neues Mobiliar und die Prozessbeteiligten wurden anders im Raum platziert.
Aus diesen Umbauten und dem Umstand, dass sie 1961, nach der Rückgabe an die Nürnberger Justiz, wieder weitgehend rückgängig gemacht wurden, ergibt sich heute ein erheblich anderer Eindruck von dem Saal als aus den historischen Film- und Fotodokumenten.“
Kann ich nur bestätigen – ich war zuerst sogar etwas enttäuscht, als ich den Saal betrat ….. – der Saal wurde „zurückgebaut“ und es erinnern nur Fotos, wie der Saal zur Zeit der Nürnberger Prozesse aussah.
„Seit 20. November 2010 informiert eine Dauerausstellung, die sich in drei Bereiche gliedert. Der erste und größte Ausstellungsraum erläutert die Vorgeschichte, die Beteiligten und den Verlauf des Nürnberger “Hauptkriegsverbrecherprozesses”. Der zweite Themenkomplex widmet sich der juristischen Verfolgung von NS-Verbrechen nach 1946. Eine Gesamtdarstellung der Nürnberger Nachfolgeprozesse zeigt Umfang und Dauer dieser Verfahren. Zudem vermitteln weitere ausgewählte Prozesse einen Überblick über den Umgang mit NS-Verbrechen im In- und Ausland. Im dritten Teil schließt die Auseinandersetzung mit dem Erbe von Nürnberg bis hin zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag den Ausstellungsrundgang inhaltlich ab.“
Stadtrundfahrt City Line 1: Euro 17,50 (online 16,50) – man kann im Bus nur mit Karte zahlen. Ich steige bei der Station Justizpalast ein – viel Information!!!
- Die Nürnberger Prozesse haben in diesem Gebäude stattgefunden, weil daneben gleich das Gefängnis war – der alte Teil, in dem die Angeklagten untergebracht waren, wird nicht mehr genutzt – ist jedoch denkmalgeschützt – man überlegt von Seiten der Stadt Nürnberg auch dieses Gebäude als Geschichtsstätte zu öffnen.
- Pegnitz = fließt zirka 14 Kilometer durch die Stadt – der Name leitet sich von “paginza” ab, was so viel wie schlammiger, sandiger Fluss bedeutet.
- Wolfsgarten: Der Wolfsgarten ist ein grünes kulturelles Nachbarschaftszentrum mit Gemeinschaftsgarten. Das ganze Gelände wurde und wird rein mit nachhaltigen, ökologischen Materialien umgestaltet, darüber hinaus entstanden bisher ein großer Nachbarschaftsgarten mit Gewächshaus, eine Kinderspielecke, ein Cafébereich mit kleiner Bühne und zugehörigem ausgebauten Bauwagen, die Basis für ein Kunstatelier und Komposttoiletten.
- Jüdischer Friedhof, Bärenschanzstraße: Der Friedhof wurde nur von 1864 bis 1922 für Bestattungen genutzt. Er ist mit Kameras bewacht und öffentlich nicht zugänglich, kann jedoch von mehreren Seiten eingesehen werden.
- die „Alte Feuerwache 1“ in Nürnberg wurde am 1. Mai 1902 in den Betrieb genommen. Geplant für Pferde-Fuhrwerken und Spritzen von Hand betrieben. Am Ende waren dann schwere Feuerlöschzüge in den Hallen und Lagern gestanden. Am 9. Februar 2021 wurde diese Wache geschlossen und wurde in einen Neubau verlegt. Das Gebäude steht jetzt unter Denkmalschutz
- Weißgerbergasse – in dieser Gasse findet man die meisten Baudenkmäler im Original. Dank den Nürnberger Altstadtfreunden und den Hausbesitzern wurden die meisten Häuser liebevoll renoviert. Das „Irrertürlein“ und die Irrerstraße hatte man nach den um die Weißgerbergasse und die Irrerstraße ansässigen „Irrern“ (= Weißgerber) benannt.
- Rathäuser – altes und neues Rathaus: Fast wie ein italienischer Palazzo wirkt das Alte Rathaus mit seiner prächtigen Fassade. Noch heute werden hier die Geschicke der Stadt geleitet. Der älteste Teil des Rathauses birgt den prunkvollen Rathaussaal, ein Meisterwerk gotischer Baukunst. Es brannte durch Bombentreffer im 2. Weltkrieg bis auf die Umfassungsmauern aus. Erst 1956 bis 1962 wurde unter der Leitung von Harald Clauß das Alte Rathaus auf dieser Ruine wieder aufgebaut. Die Gebäude zwischen Rathaus und dem nördlichen Abschluss des Hauptmarktes wurden während des Zweiten Weltkrieges ebenfalls zerstört. 1951 plante der Architekt Kurt Schneckendorf an deren Stelle das sogenannte „Neue Rathaus“.
- Nürnberg bedeutet „nur ein Berg“ – der ist 60 m hoch und darauf steht die Kaiserburg.
- Der Burggraben ist ein Trockengraben – er war nie mit Wasser gefüllt.
- Villenviertel – Pirckheimerstraße – die Villen sind mehrheitlich im Stil des Historismus gebaut. Willibald Pirckheimer war Humanist und ein enger Freund von Alfred Dürrer. Seine Schwester Barbara war Vorsteherin des Nürnberger Klarissenklosters.
- Der Weiße Turm war ursprünglich mit weißem Putz verkleidet, der aber nun vollständig abgebröckelt ist.
- Dudelsackpfeiferbrunnen – erzählt wird die Geschichte, so wie ich sie von unserem „lieben Augustin“ kenne. Inwieweit eine Beziehung zu der Wandersage vom betrunkenen und eingeschlafenen Dudelsackpfeifer besteht, der Anno 1437 während einer Epidemie in Nürnberg auf einen Pestkarren geladen worden sein soll, und der eine Befreiung aus seiner schlimmen Lage erst durch Blasen seines Dudelsackes erreichen konnte, ist nicht geklärt.
- In Nürnberg gibt es zirka 200 – vorwiegend evangelische – Kirchen.
- St. Peter gehört zu den ältesten Stadtteilen in Nürnberg (wie alle Stadtteile die mit „St.“ Beginnen). Den Mittelpunkt des Stadtteils bildet die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Peter. Weiters gehörten die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche und die Christuskirche Steinbühl zur Evangelischen Gemeinde Südstadt.
- Luitpoldhain, Reichsparteigelände, Hauptbahnhof (= hier steige ich aus).
Wieder zu Fuß unterwegs schaue ich mir nun noch ein paar Sehenswürdigkeiten genauer an.
Die Königstraße in Nürnberg ist eine historische Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und der Altstadt. Die Bauwerke erzählen viel über die Geschichte der Stadt, von ihrer industriellen Vergangenheit bis hin zu ihrer modernen Kultur. Wenn man nicht von den vielen Blickfängen abgelenkt wird, braucht man zirka 20 Minuten vom Hauptbahnhof bis zum Hauptmarkt.
Aber wie gesagt – es gibt viel zu viel zu sehen: Am Beginn der Königstraße steht das Frauentor und der Handwerkerhof – vorbei an der Mauthalle sieht man dann rechts die Lorenzkirche. Direkt gegenüber steht das markante Nassauerhaus – weiter geht es entlang der Königstraße über die Museumsbrücke bis zum Hauptmarkt.
Jetzt habe ich Hunger und probiere noch den „Tradionsimbiss“ von Nürnberg am Hauptmarkt 😊 drei kleine Rostbratwürste im aufgeschnittenen Brötchen = „Drei im Weggla“.
Hauptmarkt – der zentrale Platz zwischen der Pegnitz und der Kaiserburg ist von historischen Gebäuden umgeben. Die wichtigsten Gebäude sind das Rathaus und die Frauenkirche. Der Marktplatz ist bekannt für seinen Wochenmarkt, auf dem frische regionale Produkte angeboten werden. Eine weitere – sehr beliebte – Sehenswürdigkeit auf dem Platz ist der „Schöne Brunnen“, ein historisches Wahrzeichen, das für Glück und Kindersegen steht.
Fast wie ein italienischer Palazzo wirkt das Alte Rathaus mit seiner prächtigen Fassade. Noch heute werden hier die Geschicke der Stadt geleitet. Der älteste Teil des Rathauses birgt den prunkvollen Rathaussaal, ein Meisterwerk gotischer Baukunst. Die schauerlichen Lochgefängnisse darunter könnte man bei einer Führung besichtigen.
Nürnberg ist jede Reise wert!!!!
Spreewald, 26. Juni bis 17. Juli 2025
Eher spontan entschließe ich mich nach dem Besuch in Schweden noch drei Wochen in den Spreewald zu reisen 25. Juni bis 18. Juli 2026) – einfach, um die Seele baumeln zu lassen. Der Spreewald steht schon lange auf meiner „Sehnsuchtsliste“ und ich gestehe: Ich kenne den Spreewald nur durch die Spreewaldkrimis.
Ankunft in Vetschau am 25. Juni – 26. Juni 2025 – es ist Sommer (!) und ich ziehe zum ersten Mal meine Sommersachen und keine Socken an .
Den Spreewald habe ich mir ganz anders vorgestellt. In Vetschau, wo ich derzeit wohne, sieht man von den „Fließen“ fast gar nichts und vom Wald auch nicht – der Ortskern sieht ziemlich verlassen aus, nein, er sieht nicht nur so aus, er ist es auch …………. – ich „vermisse“ den mystischen Wald mit seinen besonderen Stimmungen, aber wahrscheinlich ist das mitten im Sommer eher unrealistisch – interessant ist es hier sicher auch im November.
Ein paar allgemeine Informationen zu meinem Reiseziel:
Brandenburg umschließt in seinem Zentrum die deutsche Hauptstadt Berlin und bildet mit ihr gemeinsam die europäische Metropolregion Berlin/Brandenburg, in der rund sechs Millionen Menschen leben. Mehr als ein Drittel der Fläche Brandenburgs wird von Naturparks, Wäldern, Seen und Wassergebieten eingenommen. Die Hauptstadt ist Potsdam.
Der Spreewald (niedersorbisch Błota: „die Sümpfe“) ist ein ausgedehntes Niederungsgebiet und eine historische Kulturlandschaft im Südosten Brandenburgs. Hauptmerkmal ist die natürliche Flusslaufverzweigung der Spree, die durch angelegte Kanäle deutlich erweitert wurde. Als Auen- und Moorlandschaft besitzt sie für den Naturschutz überregionale Bedeutung und ist als Biosphärenreservat geschützt. Der Spreewald als Kulturlandschaft wurde entscheidend durch die Sorben geprägt.
Mein Wissen: Wikipedia Vetschau/Spreewald – Wikipedia / Informationsfolder aus den Touristeninformationen Vetschau und Lübbenau / Informationstafeln an Gebäuden / https://www.berlin.de/tourismus/brandenburg/ / Freilandmuseum Lehde – Museum des Landkreises Oberspreewald-Lausitz / Fontaneweg / Kur- und Sagenpark / Stadtgeschichten / Altstadt Vetschau/Spreewald: „Lernen Sie die Straßen und die Geschichte der Stadt bei einem kleinen Rundgang kennen“ / www.diewenden.de – Wendisch und Sorbisch – Begrifflichkeiten / Sorben/Wenden | Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung / Die Geschichte der Stadt Lübbenau / Schloss Lübbenau – Wikipedia / Lebensraum Wald – Natur & Landschaft – Biosphärenreservat Spreewald /
Burg
Der Ort Burg ist eine Siedlung im östlichen Teil des Oberspreewaldes. In Burg und Umgebung findet man noch charakteristische Beispiele der Spreewälder Hausbauweise: weißgetünchte Blockhäuser mit Strohdach und Holzgiebeln, im Innern manchmal mit schwarzer Küche. Während der Ortsteil rund um die Kirche wie ein normales Dorf bebaut ist, liegen die Gehöfte in den anderen Ortsteilen zwischen Feldern, Wiesen und Wald verstreut an den Fließen.
Burg hat drei Ortsteile: Erstmals im Jahre 1315 erwähnt, ist Burg–Dorf der älteste Ortsteil des Kurortes und der eigentliche Ortskern mit einem lebendigen Zentrum. Wie der Name Burg-Kolonie vermuten lässt, siedelten in diesem Ortsteil einst Kolonisten. Friedrich der Große nutzte das bisher brachliegende Land zu Urbarmachung und ließ hier seine Untertanen sesshaft werden. Nördlich von Burg-Kolonie schließt sich der Ortsteil Burg-Kauper an. Der Ortsname Kauper geht auf das sorbische Ursprungswort Kupa zurück, welches übersetzt Insel gedeutet. Und tatsächlich stehen hier viele Häusergruppen auf einer Art Insel und sind von Wasser umgeben.
Ich fahre mit dem Bus nach Burg und als erstes präsentiert sich gleich die evangelische Kirche als „offene Kirche“. Ich treffe hier sehr oft auf „Theodor Fontane“ und auf viele Sagenfiguren, wie zum Beispiel den Schlangenkönig …………. und endlich auch auf breitere Fließen und die Spreewaldkähne.
Mein absoluter Lieblingsort in Burg ist der Kur- und Sagenpark.
- Der Wassermann-Nykus wohnt mit seiner Frau und seinen Töchtern auf dem Grund der Gewässer. Er ist Herrscher über das kühle Element und schlägt er mit einer Gerte auf die Wasseroberfläche, so weicht es nach beiden Seiten zurück und lässt ihn trockenen Fußes in seine Wohnung.
- Die Irrlichtchen, bludniki, sind Leuchterscheinungen im Sumpf. Sie führen die Leute, die sich nachts verirrt haben, gegen ein kleines Entgelt wieder nach Hause. Sollte man ihnen das Geld schuldig bleiben oder fluchen, führen sie einen das nächste Mal tiefer in den Sumpf.
- Die Mittagsfrau, Psezpolnica: An heißen Sommertagen zwischen zwölf und dreizehn Uhr geht eine stattliche, weißgekleidete Frau mit einer Sichel durch die Felder, um diejenigen zu bestrafen, die während dieser Ruhezeit auf dem Feld arbeiten. Es gibt nur eine einzige Rettung vo der Strafe der Mittagsfrau: Man muss eine Pause machen.
- Kommt man in ein Haus, in dem man alles bekommt, was man benötigt, so wohnt in diesem Haus der Plon. Der Plon ist ein Drache, der den Bewohnern als guter Hausgeist alle Dienste leistet. Nichts verlangt er dafür, bis auf ein wenig zu Essen.
- Nachts, wenn die Bäume knarren und der Sturmwind in den Wipfeln heult, sagen die Menschen: „Das ist der Nachjäger, der ohne Kopf auf seinem Pferd mit einer Meute kläffender Hunde in den Wäldern herumtobt und das Wild jagd.“
- Der Wendenkönig, Serbski Kral, der als gewählter sorbischer König gegen den Frohnherren kämpfte, zog sich nach einer Niederlage in das Dickicht des Spreewaldes zurück. Auf dem Schlossberg baute er ein Schloss, das nur über eine Brücke zu erreichen war.
Beim zweiten Besuch erwandere ich mir die Umgebung – geplant habe ich den Fontaneweg, aber geworden ist es dann ein „Ireneweg“ (von Burg nach Leipe und irgendwie wieder zurück nach Burg).
Leipe: 8 Kilometer östlich von Lübbenau liegt das Spreewalddorf Leipe. Bis 1936 war der Ort nur über den Wasserweg erreichbar. Die Straßenseite der Wohnhäuser, meist im Stil von Blockhäusern gebaut und mit Schilf gedeckt, zeigt daher bis heute zum Wasser.
Umgeben von Hauptspree und Leiper Graben war das denkmalgeschützte Spreewalddorf bis 1936 nur mit dem Kahn erreichbar. Die Fließe waren einst die „Straßen“ des Ortes, deshalb sind die Giebel der Häuser dem Wasser zugewandt. Zu jedem Hof gehört ein kleiner Hafen. Dem Radler, der das Dorf durchfährt, zeigt sich nur die Rückansicht der Häuser mit den davor liegenden Gärten.
Lübbenau (und Lehde)
Die Stadt Lübbenau liegt unmittelbar am Rande des Spreewaldes und wird deshalb auch “Das Tor zum Spreewald” genannt. Lübbenau heißt auf sorbisch “Lubnjow” und kann mittlerweile auf 683 Jahre Geschichte zurückblicken, aber beginnen wir am Anfang. Erstmals wurde Lübbenau im Jahre 1315 erwähnt. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts zählte Lübbenau zirka 8500 Einwohner. 1959 wurde in Lübbenau ein Braunkohlekraftwerk gebaut, welches damals zu den modernsten Europas gehörte. Da der Wohnraum knapp wurde, entstand die Neustadt von Lübbenau. Heute zählt Lübbenau zirka 16000 Einwohner.
Im historischen Zentrum der Altstadt steht die barocke Nikolaikirche (evangelisch). Gleich daneben die alte Postsäule von 1740 und am Topfmarkt das Torhaus von 1784.
Lübbenau ist sehr abwechslungsreich, es gibt viel zu sehen und zu bestaunen.
In diesem Tunnel präsentieren sich alle Lübbenauer Viertel „malerisch“: Schlossbezirk, Hafenviertel, Altstadtviertel, Gurkenviertel, Bahnhofsviertel, Skulpturenpark – Alter Friedhof, Sportzentrum, Viertel Grüner Stadtumbau, Spreeweltenviertel, Spreewalddorf Lehde, Spreewalddorf Leipe
Südlich der Stadt liegt Schloss Lübbenau. Das Schloss ist Sitz der Familie zu Lynar, die bis 1945 die Standesherrschaft innehatte und deren Nachkommen heute das Schlosshotel betreiben. Das klassizistisch umgebaute Schloss aus der Zeit um 1820 liegt in einem großen englischen Landschaftspark.
Das Schloss mit dem dazugehörigen Park gilt als der älteste Teil der Stadt Lübbenau. Archäologische Ausgrabungen brachten Funde aus der Mittelsteinzeit zu Tage. Auch Gegenstände aus der Bronze- und Eisenzeit konnten hier gefunden werden.
Bei meinem zweiten Besuch wandere ich weiter bis nach Lehde und wieder zurück:
Lehde – Freilandmuseum Lehde – Museum des Landkreises Oberspreewald-Lausitz: Das älteste Freilandmuseum Brandenburgs bietet einen lebhaften Einblick in das Leben der sorbischen/wendischen und deutschen Spreewaldbewohner vor über 100 Jahren. Aus verschiedenen Regionen des Spreewaldes wurden Hofanlagen zusammengetragen und hier wieder aufgebaut. Im Freilandmuseum ist alles zu finden, was den Spreewald berühmt gemacht hat: reetgedeckte Holzhäuser, sorbische/wendische Trachten und natürlich typische Köstlichkeiten, wie der scharfe Meerrettich und die Spreewaldgurke.
Da Lehde ein Magnet für Gäste ist, ist es auch (leider) entsprechend laut (zum Glück nicht bei der Wanderung hierher 😊).
Zurück in der Altstadt besuche ich den „Skulpturenpark – Alten Friedhof“.
Das dritte Mal starte ich von Lübbenau zur Insel Wotschofska – der Weg dorthin ist sehr idyllisch und zum Glück nicht überlaufen. Beschrieben wird, dass man diesen Ort nur zu Wasser oder zu Fuß bzw. mit dem Rad erreichen kann, aber es führt schon längst auch eine Straße dorthin. Der Biergarten ist sehr gut besucht und es ist unangenehm laut. Hier verweile ich nicht lange und pausiere lieber an einem ruhigeren Ort.
Der Erlenbruchwald war einst der verbreiteste Lebensraum des Spreewaldes. Er besiedelt nasse Niedermoorstandorte mit hohen Grundwasserständen vor allem im Winter und Frühjahr. In den vergangenen Jahrhunderten wurden Erlenbruchwälder immer stärker zurückgedrängt. Die verbliebenen Nasswälder wurden durch Melioration und Grundwasserabsenkungen stark beeinträchtigt. Viele ehemals nasse Bruchwälder wandelten sich zum Erlen-Eschen-Wald, was durch eine Veränderung des Artenspektrums der Bodenvegetation und der Naturverjüngung der Bäume belegt ist. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts, mit Beginn der geregelten Forstwirtschaft, wurden ursprüngliche Erlenbruchwälder teilweise durch Erlen-Rabattenkulturen ersetzt. Auch die ältesten Bestände im Oberspreewald sind Resultat dieser Pflanzungen. In früherer Zeit bleiben diese Eingriffe jedoch verhältnismäßig gering. Erst ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts war ein massiver Rückgang alter, naturnaher Wälder zu verzeichnen. Der Erlenbruchwald ist ein unzugänglicher Urwald – ein richtiges Paradies für scheue Tiere.
Raddusch
Zwischen Lübbenau und Burg mitten im Biospärenreservat liegt die kleine Spreewaldgemeinde Raddusch – hier findet man (und ich 😊) wirklich Ruhe und Entspannung – von hier kann man auch bei Kahnfahrten die Fließe entlanggleiten. Es gibt Wanderwege, die nicht so den Radwegen „geopfert“ sind und ich kann sehr gemütlich entlang den Fließen spazieren.
Ich wandere von Vetschau über Stradow nach Raddusch – leider führt der Weg doch über viele Strecken auf asphaltierten Wegen und Straßen – falls es Alternativen gegeben hätte, habe ich sie nicht gefunden, aber vielleicht auch die Störche nicht gesehen.
…… doch es gibt auch viele schöne und amüsante Aus- und Einblicke in Gärten und Häuser – ich spaziere bei der Katholischen Kirche „Heilige Familie“ vorbei.
Raddusch ist klein und fein, abseits der großen Touristenströme ist es hier erholsam ruhig und ich habe endlich das Gefühl im „Spreewald“ angekommen zu sein. Ich esse sehr gut im Hotel / Restaurant / Biergarten „Radduscher Hafen“. Ich entscheide mich für den Lausitzer Sahnequark (mit Zwiebeln, Gewürzgurke, frischen Kräutern, Pellkartoffeln 😊 und Radduscher Leinöl).
Dann gehe ich in die „Tiefen des Spreewaldes“, besuche ein Stückchen vom Moorlehrpfad, nehme eine falsche Abzweigung (die richtige ist in meine Gehrichtung nicht angeschrieben). Nachdem ich wieder beim Hafen in Raddusch angekommen bin, erkunde ich noch ein paar geschichtliche Schmankerln beim historischen Rundgang:
Mithilfe eines Folders spaziere ich auf einem „historischen Rundgang“ durch Raddusch.
Altes Brauhaus / Naturhafen Raddusch / Kriegerdenkmal
Alte Schule / Gotteshaus: In diesem Gebäude befand sich bis 1905 die erste Radduscher Schule – bis 1897 sprach man nur wendisch. Danach diente das Gebäude als Gotteshaus und wurde überwiegend für Bibelstunden, Relegions- und Konfirmationsunterricht genutzt. 1991 gab die Kirche dieses Gebäude auf. Es befindet sich heute in Privatbesitz.
Alte Dorfschmiede / Alte Windmühle
Alte Bäckerei (Kunstscheune): Früher hatten fast alle Bauernwirtschaften eigene Backstellen bzw. Backöfen im Haus oder in den dazugehörigen Nebengebäuden. In diesen Backstellen wurden Brote, der Weihnachtsstollen, Blechkuchen, der Backschinken und der Enten- und Gänsebraten gebacken.
Um 1880 hat der Besitzer der Radduscher Windmühle und des Kolonialwarenhauses Carl Neumann hier die erste Radduscher Bäckerei eingerichtet.
Hier genieße ich Kaffee und Zupfkuchen.
Bahnhof Raddusch = nicht wirklich etwas zu sehen außer ein Bahnsteig und gegenüber anscheinend ein nicht mehr genutztes Bahnhofsgebäude …..???
Vetschau
Den besonderen Reiz erhält die Stadt durch seine Lage zwischen dem Niederlausitzer Landrücken mit seinem Naturpark und der einzigartigen Kulturlandschaft Biosphärenreservat Spreewald.
Bereits 1302 erstmals urkundlich als Veczicz erwähnt, gehört die Stadt Vetschau zu den ältesten Orten im Spreewald. Heute zählt das Städtchen etwa 8.300 Einwohner.
Ich wohne für über drei Wochen in diesem Ort – der Ort hat viel zu erzählen, die Altstadt ist jedoch ein bisschen verwaist. Ich wohne in der Antik Pension (die meiste Zeit sogar ganz allein, zumindest ohne andere Gäste).
Die Antik Pension bzw. das frühere Blaudruckerhaus wurde von Wilhelm Richter (😊) und seiner Ehefrau 1898 erbaut und danach um Nebengebäude und Innenhof erweitert. Sie betrieben hier ihren Blaudruckhandwerksbetrieb und führten einen Blaudruckladen zum Verkauf von wendischen Schürzen, Blusen und Röcken. Während der zwei Weltkriege dienten die Nebengebäude auch als Färberei und Wäscherei. Nach Zwangsverwaltung und Rückübertragung in der Wende wurde das Haus in stark beschädigten Zustand von der heutigen Eigentümerin erworben. Ab 1997 erhielt es eine behutsame Sanierung.
Spaziergang am 28. Juni: Ich starte beim Bahnhof, das alte Bahnhofsgebäude würde ich mir gerne von innen ansehen, jedoch ist es sichtlich schon seit längerem zugesperrt -auch die alten „Fabrikshallen“ verfallen langsam vor sich hin. Es blühen gerade die Linden – ich rieche ihren Duft oft schon bevor ich den Baum sehe.
….. weil mich diese Gewächshäuser wirklich beeindruckt haben, habe ich nachgelesen:
Gewächshäuser Kraftwerk Vetschau (Gewächshäuser Kraftwerk Vetschau | Objektansicht)
Ab 1971 setzten unter dem Rat des Bezirkes Cottbus Planungen zum Bau von Gewächshaus-Anlagen ein, die mit Fernwärme aus dem Kraftwerk Vetschau versorgt werden sollten. Von zwei geplanten Standorten mit insgesamt 25 ha Anbaufläche wurde nur jene im Stadtgebiet von Vetschau mit fünf ha Glasfläche zwischen der Pestalozzistraße und dem Lobendorfer Weg realisiert. 1980 wurden die ersten Gurkenpflanzen gesetzt, in den nachfolgenden Jahren auch Tomaten und Blumen.
22 Gewächshäuser sind in zwei Reihen aufgestellt und jeweils paarweise nebeneinander durch einen Verbindungsbau zusammengefasst. Südlich sind Funktionsgebäude angefügt. Die Gewächshäuser bestehen aus verzinkten Stahlkonstruktionen mit Vollverglasung und werden von Satteldächern abgeschlossen. Die Giebelseiten sind mit Faserzementplatten versehen. Materialien wurden nur stellenweise ersetzt und sind daher überwiegend bauzeitlich. Damit vermitteln Maße und Anzahl der Gewächshäuser das Ausmaß der gartenbaulichen Produktion in der DDR in Vetschau. Diese sollte planmäßig noch ausgedehnt werden. Ein zweiter Standort sollte südlich der Broilermastanlage bei Eichow ab 1980 entstehen. In Vorbereitung fand bereits die erforderliche Waldrodung statt. Die Planung wurde nach 1989 und dem Beschluss zur Stilllegung des Kraftwerks verworfen, sodass sich das dortige Waldgebiet bis heute erholt hat.
Nach Stilllegung des Kraftwerks und dem Verlust der Fernwärmeversorgung wurden die Gewächshäuser in Vetschau ebenfalls außer Betrieb genommen. Die Nachnutzung beschränkt sich heute auf Energiegewinnung durch Photovoltaikplatten, die auf den Süddächern angebracht sind, die Räumlichkeiten verbleiben vorerst ungenutzt.
…… wie schon auf der Insel Poel gibt es hier die „Mitfahrbänke“.
Eine mit Störchen bemalte Mauer weist auf das Weißstorchinformationszentrum hin, leider dauerhaft geschlossen.
Spaziergänge durch Vetschau: Es blüht und blüht und blüht …………………… – ich gehe, wie mir scheint, durch die Jahrhunderte, vorbei an fast Verfallenem, vorbei an Neuen und Renovierten ……………. und erblicke dabei immer wieder Sehenswertes (bunt bemalte Bushaltestellen, bepflanzte Badewanne, …….).
„Villa Weßlau“, Bahnhofstraße: Um 1902 als Wohnhaus und Stadtvilla durch den Stadtbaumeister und Industriellen Weßlau erbaut. 1906 Eigentümerwechsel an Karl Emmelmann, 1931 an Carl Boschan „Gurken- und Konservenfabrik“. 1959 kaufte Fleischermeister Alfred Nagel das gesamte Grundstück. Die Fabrikgebäude auf dem 2. Hof hinter dem Wohnhaus verkaufte er an die von ihm gegründete PGH des Fleischerhandwerks „Spreewald“ und legte damit den Grundstein für den heutigen Fleischverarbeitungsbetrieb.
„Alte Feuerwehr“, Hospitalplatz: Um 1909 als Feuerwehrgerätehaus mit Steigerturm durch die Stadt in Auftrag gegeben. Im Gerätehaus waren die Fahrzeughalle und der Steigerturm mit Gasleuchten ausgestattet, die 1924 durch eine elektrische Beleuchtung ersetzt wurden. 1975/76 Anbau eines Versammlungsraumes mit sanitären Einrichtungen. Da Technik und Geräte größer und schwerer wurden, musste der Fußboden erneuert und Zwischendecken eingezogen werden. 1997 Umzug der Feuerwehr in das neue Feuerwehrgerätehaus. Danach zwischenzeitliche Nutzung als Galerie und Verkaufsausstellung.
Bauer Ricken’s Hofladen – für regionales Essen 😊!
Katholische Kirche „Heilige Familie“
Nach der Reformation wurden die aus Schlesien eingewanderten Katholiken vom Kloster Neuzelle, später von der Pfarrei Cottbus betreut. Der lange angestrebte Bau der eigenen katholische Kirche, wurde 1897 fertiggestellt.
Die Altstadt von Vetschau.
Beim Tourismusbüro kann man sich einen Zugang für die App holen, die wirklich gut über die Altstadt informiert. Weiters gibt es an den geschichtsträchtigen Häusern auch Informationstafeln mit dem wichtigsten Inhalt.
„Ältestes Haus“: Um 1710 als Wohnhaus im Fachwerkstil von einem unbekannten Baumeister errichtet. Auf einem Längsbalken im Gebäude, kann man heute noch folgenden Spruch lesen (Irene: aber leider nicht zu besichtigen): „Herr, lass Dir stets befohlen sein, den der diß Haus besitzet. Geuß deinen reichen Seegen drein und gönn es dem es Nützet, und was ich sauer angebaut, sey stets in deinen Schutz vertraut. Laß denen die es erben, nicht wiederum Verderben.“
Wendisch-Deutsche Doppelkirche: Aus dem 14. Jahrhundert stammt die erste, aus Feld- und Raseneisenstein erbaute Kirche. Sie brannte im Jahr 1619 nieder und auf den verbleibenden Fundamenten erbaute man 1650 den jetzigen Backsteinbau in Vetschau.
Die direkt daneben liegenden Spätbarocke Deutsche Kirche entstand in den Jahren 1690 bis 1694. Beide Kirchen, die wendische Backsteinkirche und die deutsche Kirche sind mit der an den Ostgiebeln befindlichen Sakristei miteinander verbunden. 1709 bekam der Turmstumpf aus Backstein seine achteckige Turmhaube. In den Jahren 1850/1860 wurde der Innenbereich der wendischen Kirche umgebaut, ein Tonnengewölbe und die Doppelemporen wurden eingezogen, das “Auge” im Ostgiebel, der Kanzelaltar und eine Orgel wurden eingebaut. Die Deutsche Kirche erhielt im Jahr 1899 eine Orgel und 5 bemalte Fenster. So entstand in fünf Jahrhunderten die Wendisch-Deutsche Doppelkirche.
Die Deutsche Kirche ist nach wie vor ausschließlich Gemeindekirche. Die Wendische Kirche ist seit 1995 eine Kulturstätte. Einmal jährlich, am Tag des offenen Denkmals, findet hier ein Gottesdienst in wendischer Sprache statt. Zusätzlich dient die Kirche als beeindruckende Kulisse für festliche Konzerte in Vetschau.
Neben der Kirche steht die „Mädchenschule“. Nach dem 30jährigen Krieg entstand hier auf den Resten alter Bausubstanz das erste Schulhaus der Stadt. Um 1729 wurde es aufgrund steigender Bevölkerungszahlen und erhöhtem Platzbedarf erforderlich, ein neues, größeres zu bauen. Dieses neue Schulhaus wurde durch die Bürger der Stadt errichtet und 1734 eingeweiht. Es folgten Umbauten und Rekonstruktionen, so dass um 1882 der heutige Langbau mit Satteldach und Putzfassade entstand. Jahrzehntelang wurde es zunächst ausschließlich als Mädchenschule genutzt, nach 1945 als Alters- und Pflegeheim und ab 1954 wieder als gemischte Schule für die Klassen 1 bis 5. Ab 1968 stand das Gebäude durchweg dem Jugendblasorchester zur Verfügung.
Schloss Vetschau
Das Schloss im Renaissancestil wurde im Jahre 1540 von Eustachius von Schlieben erbaut und ist von einem Park umgeben. Das denkmalgeschützte Ensemble besteht insgesamt aus vier Gebäuden, von denen das Haupthaus mit zweigeschossigem Turm heute Sitz der Stadtverwaltung ist. Das daneben befindliche Kavaliershaus als ehemaliges Amtshaus besticht durch seine 9 Fensterachsen und sein Walmdach. Die etwas abseits liegende Schlossremise diente früher als Wirtschafts- und Stallgebäude und beherbergte seit 2015 die Tourist-Information sowie die Dauerausstellung “Geschichten vom Heiraten”.
Über die geschwungene Freitreppe im Innenhof des Schlosses gelangt man in den Rittersaal, einen barocken Festsaal, der vor allem für standesamtliche Trauungen zur Verfügung steht. Im Wappenzimmer nebenan kann man Wissenswertes über das Vetschauer Stadtwappen sowie über das bis 2005 verschollene Wappenprivileg erfahren.
Juli 2025 – die Tourist-Information ist jetzt im Hotel Ratskeller und die Dauerausstellung gibt es anscheinend auch nicht mehr.
..... und zum Abschluss Hefeplinsen .....
Hefeplinsen sind eine der vielen Spezialitäten im Spreewald. Das Rezept ist bzw. die Rezepte sind meist ein gut gehütetes Familiengeheimnis – hier ein Rezept mit Buttermilch gemacht.
